Werbung auf ChatGPT
Eine Marketing Managerin – nennen wir sie Clara Cramer – erhält von ihrem Vorgesetzten den Auftrag, Ideen für einen Kundenevent zu entwickeln. Sie öffnet ChatGPT und fragt nach passenden Locations, Catering-Angeboten und einem attraktiven Rahmenprogramm. Innerhalb weniger Minuten nimmt der Anlass Form an. Und dann erscheint Werbung. Passend zur Location. Passend zum Catering. Passend zum Event. Im ersten Moment wirkt das sogar praktisch. Doch Clara fragt sich: Ist das noch eine hilfreiche Empfehlung – oder bereits eine bezahlte Platzierung?
Wie viel Werbung verträgt ein persönlicher Dialog?
Bislang fühlte sich ChatGPT beinahe wie ein Gespräch mit einer vertrauten Person an. Nun sitzt plötzlich noch jemand mit am Tisch: der Werbetreibende. Bei einem Kundenevent mag das harmlos erscheinen. Doch Menschen sprechen mit ChatGPT auch über gesundheitliche Beschwerden, finanzielle Sorgen oder persönliche Probleme. Als mich Nau.ch zur Einführung von Werbung auf ChatGPT befragte, hat mich dieser Schritt wirtschaftlich nicht überrascht. Die Entwicklung und der Betrieb leistungsfähiger KI-Systeme verursachen enorme Kosten. Gleichzeitig nutzen Millionen Menschen ChatGPT kostenlos oder zu einem vergleichsweise tiefen Preis. Werbung ist deshalb ein nachvollziehbares Geschäftsmodell.
Wirtschaftlich logisch – psychologisch ein Einschnitt
Aus Marketingsicht liegt der eigentliche Einschnitt jedoch in der psychologischen Wirkung. ChatGPT wurde bisher als persönlicher, weitgehend werbefreier Dialograum wahrgenommen – und nicht als klassische Medienplattform. Die direkte Ansprache und die individuell wirkenden Antworten schaffen Nähe. Werbung verändert diese Wahrnehmung.
Näher am Bedürfnis war Werbung noch nie
Für Werbetreibende ist das Potenzial gewaltig. ChatGPT kennt nicht nur einen einzelnen Suchbegriff, sondern den Zusammenhang: das Problem, die Bedürfnisse, mögliche Zweifel und oftmals sogar die Kaufabsicht. Wer einen Kundenevent plant, nennt im Dialog beispielsweise Gästezahl, Budget, Region, Verpflegung und gewünschte Atmosphäre. Werbung kann dadurch genau in jenem Moment erscheinen, in dem eine Entscheidung vorbereitet wird. Damit öffnet sich für Werbetreibende eine neue Dimension. Mit Blick auf Privatsphäre und Beeinflussung möglicherweise aber auch die Büchse der Pandora. Denn wo endet die hilfreiche Empfehlung – und wo beginnt die gezielte kommerzielle Einflussnahme?
Gewöhnung ist nicht gleich Akzeptanz
Viele Nutzerinnen und Nutzer werden sich vermutlich rasch an die Anzeigen gewöhnen. Das Internet hat uns schliesslich gelehrt, Werbung weitgehend auszublenden. Doch Gewöhnung bedeutet noch lange nicht Akzeptanz. Besonders sensibel wird es, wenn Werbung auch innerhalb eines kostenpflichtigen Abonnements erscheint. Wer bezahlt, erwartet einen erkennbaren Gegenwert – und dazu gehört für viele eine ungestörte Nutzung. Müssen Nutzerinnen und Nutzer gleichzeitig bezahlen und Werbung akzeptieren, entsteht schnell das Gefühl, doppelt zur Kasse gebeten zu werden.
OpenAI betont, dass Anzeigen klar gekennzeichnet und von den Antworten getrennt werden. Werbung soll demnach die Antworten nicht beeinflussen, Werbetreibende sollen keinen Zugriff auf persönliche Gespräche erhalten und in sensiblen Kontexten sollen keine Anzeigen erscheinen. Diese Grundsätze sind richtig und wichtig. Entscheidend bleibt jedoch, wie die Nutzerinnen und Nutzer die Trennung wahrnehmen. OpenAI nennt den Erhalt des Vertrauens selbst als zentrales Prinzip seines Werbemodells.
Die eigentliche Währung heisst Vertrauen
Sobald der Eindruck entsteht, eine Antwort könnte durch kommerzielle Interessen beeinflusst sein, beginnt die Glaubwürdigkeit zu bröckeln – selbst wenn Werbung und Antworten technisch sauber getrennt bleiben.
Denn Werbung erscheint hier nicht neben einem redaktionellen Inhalt. Sie erscheint innerhalb eines persönlichen Dialogs. Genau deshalb gelten besonders hohe Anforderungen an Transparenz, Datenschutz und Verantwortung.
Werbung darf nicht mitreden
Zurück zu Clara und ihrem Kundenevent. Werbung für eine passende Location oder einen Caterer kann für sie durchaus hilfreich sein – vorausgesetzt, sie erkennt jederzeit, weshalb ihr diese Anzeige gezeigt wird und wo die unabhängige Antwort endet. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob Werbung auf ChatGPT funktionieren wird. Das wird sie mit grosser Wahrscheinlichkeit. Entscheidend ist, ob Tamara weiterhin darauf vertrauen kann, eine unabhängige Antwort zu erhalten. Werbung darf mit am Tisch sitzen. Sie darf das Gespräch aber niemals bestimmen. Denn Vertrauen lässt sich schnell monetarisieren – aber nur sehr langsam zurückgewinnen.
Wie sehen Sie das? Ist Werbung auf ChatGPT eine hilfreiche Ergänzung – oder beginnt damit das Vertrauen in den persönlichen Dialog zu bröckeln?
Werbung darf auf ChatGPT sichtbar sein. Sie darf aber niemals Zweifel daran wecken, wer die Antwort bestimmt.
Digitale Exzellenz trifft persönliche Betreuung
Bei Felix Murbach Marketing® gibt es keinen Umweg. Sie sprechen direkt mit dem Inhaber. Ich verbinde zwei Welten, die heute entscheidend sind: digitale Möglichkeiten – und echte Beziehung. Von der ersten Idee bis zur Umsetzung begleite ich Projekte persönlich. Strategisch fundiert. Digital kompetent. Und immer mit dem Anspruch, Wirkung zu erzielen. Diesen Mindset lebe ich nicht nur als externer CMO in Projekten, sondern auch als Referent, Workshop-Leiter, Dozent und strategischer Begleiter.
Marketing endet nicht bei Technologie. Es beginnt bei der Wirkung.
Wenn Sie die Frage beschäftigt, wo in Ihrem Unternehmen echte Differenzierung entsteht, verstehen Sie diesen Beitrag als Einladung zum Dialog. Ich schätze Gespräche, in denen Marketing nicht nur umgesetzt, sondern strategisch weitergedacht wird – im Unternehmen, im Workshop oder im Bildungsumfeld.
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Ich freue mich auf den Austausch.
Felix Murbach
Marketing Experte | Externer CMO | Dozent
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