Social Media unter 16 – Schutz oder Kontrollverlust?
Ein Gedankengang zwischen Eisfläche, Verantwortung und Marketing-Realität.
Social Media verbindet Menschen und eröffnet neue Formen des Austauschs. KI hilft uns, Arbeit, Lernen und Alltag besser zu verstehen. In diesem Blog geht es um eine reflektierte Einordnung der Frage, ob ein Social-Media-Verbot unter 16 Jahren umsetzbar, sinnvoll oder notwendig wäre. Wie sind Aspekte wie Schutz, Eigenverantwortung, Medienkompetenz, mögliche Konsequenzen und Stolpersteine dabei zu bewerten.
Kein Algorithmus. Nur Balance. Oder der Sturz.
Es ist früh am Morgen. Die Eisfläche ist noch leer. Das Licht kalt, klar. Jeder Atemzug sichtbar. Ein Moment, bevor Bewegung entsteht. Ich stehe da, ziehe die Schlittschuhe fester. Auf dem Eis gibt es keine Filter. Kein Algorithmus. Nur Balance. Oder der Sturz. Vielleicht fasziniert mich genau deshalb – als Medienstimme und Dozent – die Frage, wie viel Schutz nötig ist und wie viel Eigenverantwortung wir jungen Menschen zutrauen.

Aufmerksamkeit ist verletzlich
Vermutlich ist genau das der Grund, warum mich diese Nachricht aus Australien nicht loslässt: Social Media ist dort für unter 16-Jährige verboten. Kein Einlaufen. Kein Aufwärmen. Ein klarer Schnitt. Ein klares Signal. Ein Verbot ist selten das eigentliche Thema. Australien verbietet Social Media weil man erkannt hat: Aufmerksamkeit ist verletzlich. Gerade in jungen Jahren. Und wir – Plattformen, Marken, Marketing – haben jahrelang davon profitiert, dass junge Menschen früh, viel und dauerhaft online sind. Vielleicht nicht aus bewusster Intention, sondern oft aus systemischer Logik und ökonomischem Druck.
Die unbequeme Frage, die wir selten stellen
Als Marketing Experte stelle ich mir nicht zuerst die Rechtsfrage, eher eine andere: „Ab wann ist es fair, von Selbstverantwortung zu sprechen, wenn Systeme gezielt auf maximale Aufmerksamkeit optimiert sind?“ Wir fordern Medienkompetenz, während Algorithmen auf Bindung programmiert sind. Wir sprechen von Resilienz, während Dauervergleich zum Normalzustand wird. Hilft hier ein Verbot weiter oder braucht es nachhaltigere Formen von Begleitung, Regulierung und Kompetenzaufbau?
Was das für Marken bedeutet
Ganz ehrlich? Denn jetzt wird es vielleicht „still im Raum“. Ein U16-Verbot – oder auch nur strengere Regeln – wären keine Peanuts. Es wäre ein Marketing-Paradigmenwechsel. Warum? Weil ein zentrales Prinzip wegfällt: Frühprägung. Marken könnten junge Zielgruppen nicht mehr automatisch erreichen, bespielen oder binden. Reichweite verliert somit an Bedeutung. Was bleibt, ist Substanz. Wenn der einfache Zugang fehlt, zählt nur noch echte Relevanz: Inhalte, die verstanden werden. Werte, die glaubwürdig sind. Marken, die nicht nur sichtbar, sondern vertrauenswürdig sind.
Für das Marketing bedeutet das: Weniger Abkürzungen, weniger Push dafür mehr Haltung. Und genau darin liegt auch eine Chance. Denn Marken, die heute schon auf Beziehung statt Reichweite setzen, auf Einordnung statt Reiz, auf Begleitung statt Daueransprache, werden morgen nicht überrascht – sondern vorbereitet sein.
Wie weit ist die Schweiz?
Auch in der Schweiz wird das Thema zunehmend ernsthaft diskutiert – wenn auch leiser. Ein gesetzliches Verbot gibt es bislang nicht, doch politische Prüfungen, zivilgesellschaftliche Initiativen und Umfragen zeigen: Altersgrenzen finden Zustimmung, verbunden mit der Erwartung nach Bildung, klarer Plattformverantwortung und verlässlichen Regeln. Kurz: Die Schweiz ist nicht entschieden, aber nicht mehr naiv.
Stolpersteine, die man nicht übersehen sollte
Die Diskussion ist komplex – und genau darin liegen ihre Stolpersteine. Es geht dabei nicht um eine pauschale Kritik an Social Media oder KI, im Gegenteil. Es geht vielmehr um eine realistische Einordnung ihrer Wirkung – und um die Frage, wie wir Verantwortung bewusst gestalten. Denn eines ist klar: Verbote ersetzen keine Medienkompetenz. Jugendliche sind keine homogene Gruppe und Verantwortung darf nicht allein auf Eltern und Schulen abgeschoben werden. Gleichzeitig sind Plattformlogiken und algorithmische Verstärkungsmechanismen in den wenigsten Fällen neutral.
Takeaway
«Vielleicht liegt die eigentliche Herausforderung nicht zwischen Verbot oder Freiheit, sondern zwischen Wegschauen oder ernsthaft begleiten.» Felix Murbach
Wie siehst du das? Wo braucht es aus deiner Sicht Schutz – und wo beginnt Eigenverantwortung? Ich freue mich auf einen differenzierten Austausch.
Marketing Experte | externer CMO | Medienstimme
Felix Murbach ist Marketing Experte und externer CMO für Unternehmen, die Klarheit im Marketing suchen. Er verbindet Strategie, Kundenverständnis und Verantwortung – jenseits von Hype und Tool-Logik. Mehr: murba.ch

